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Meisterausbildung

 

Der Meister als Marke

 

Meisterprüfungs-Vorbereitungskurs in Bad

Kissingen

 

In drei große Fachgebiete teilen sich die Themen des Kurses: „Gestaltung und Fachtechnik“, „Betriebsführung und Betriebsorganisation“ und „Auftragsabwicklung“. Der erste Bereich beinhaltet alle fachtheoretischen Themen: Grundlagen der Drehtechnik, Entwicklung der Drehbank, alle Fertigungsmethoden auf der Drehbank, Drehen und Drehtechnik, Sondertechniken, historische Techniken, neue Techniken, Holzaufbau, Materialkunde und Materialempfindung. Diese technischen Themen werden durchgehend vom zweiten Themenbereich, Grundlagen der Gestaltung, begleitet. Dazu gehören auch das Zeichnen sowie Kenntnisse von Entwurf, Proportionen, Produktgestaltung, Darstellungstechnik und Farblehre. Außerdem wird hier der Prozess von der Findung einer Idee, über deren Weiterentwicklung bis hin zur Formgebung und deren Auswirkungen auf das Produkt beleuchtet. Die Auseinandersetzung mit Traditionen, mit der Herkunft verschiedener Begrifflichkeiten und der Entwicklung der Techniken gehört ebenso zum

Vorbereitungskurs wie das Kennenlernen der Werkstoffe und Edelwerkstoffe eines Drechslers.

Der zweite Themenbereich, Betriebsführung und Betriebsorganisation, befasst sich mit Materialbeschaffung, Lagerung, Arbeitsablauf, Betriebstechnik, Arbeitsplanung, Rationalisierung, und dem sicheren Arbeiten an Holzbearbeitungsmaschinen.

 

Im dritten Teil, Auftragsabwicklung, ist von der Auftragsannahmen und -durchführung bis zur Auslieferung alles beinhaltet, was zur Kalkulation gehört. Zeit- und Kostenerfassung in der Werkstatt und die Berechnung des Stundensatzes werden ebenso anhand von praktischen Beispielen geübt wie das Schreiben von Rechnungen.

 

Im Meisterkurs findet vormittags der Theorieunterricht statt und nachmittags wird in der

Drechslerei gearbeitet. Fachlehrer stellen die Werkzeuge und Sonderwerkzeuge vor und zeigen, wie diese zum Teil selbst angefertigt werden können. Die praktischen Arbeiten beginnen mit einfachen Profilübungen und verschiedenen Drehtechniken in Lang- und Querholz. Selbstverständlich werden die Fertigkeiten und Wünsche der Teilnehmer berücksichtigt und nach Möglichkeit auch in den Unterricht einbezogen. Der Kurs bereitet nicht nur auf die Meisterprüfung vor, sondern gibt auch Hilfestellung, um den Anforderungen der zukünftigen Märkte zu begegnen.

 

Weitere Informationen

Das Modul 1 – Fachtechnik und Gestaltung, Betriebsführung und Betriebsorganisation – findet vom 26. Mai bis 06 Juni 2014 statt; die weiteren Termin, Umfang und Ablauf werden mit den Teilnehmern im Kurs vereinbart.

Infos bei:

Wolfgang Miller

Drechslermeister, Fachoberlehrer und stellv. Bundesinnungsmeister

Wirthsgasse

97711 Maßbach,

 

 

Meisterstückprojekte 2015 im Drechslerhandwerk an der Staatlichen Berufsschule Bad Kissingen:

Alle zwei bis drei Jahren findet an der Staatlichen Berufsschule Bad Kissingen zusätzlich zur Grundausbildung ein Meisterkurs für das Drechslerhandwerk statt. Die Kursteilnehmer kommen aus ganz Deutschland sowie aus Österreich zu mehreren Blockunterrichtseinheiten nach Bad Kissingen, wo sie an den Drehbänken der Drechslerwerkstatt neue Techniken und Dreharbeiten gezeigt bekommen. Um die erlernten Techniken zu üben, erhalten sie umfangreiche Lehrgangsmaterialien mit Arbeitsaufträgen, die dann zum größten Teil in Eigenstudium erarbeitet werden müssen.

Im Januar 2015 legten vier Teilnehmer die Meisterprüfung erfolgreich ab.

Die Meisterprüfung setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Teil 1 besteht in der Projektarbeit und der Situationsaufgabe, Teil 2 beinhaltet die theoretischen Kenntnisse wie Gestaltung und Fachtechnik, Betriebs-führung , Betriebsorganisation und Arbeitsplanung.

Die Bezeichnung Projektarbeit, früher Anfertigung des Meisterstückes, wird ihrem Namen gerecht, denn hier werden, außer der Anfertigung des Meisterstückes, umfangreiche schriftliche Ausführungen in einer Präsen-tationsmappe zusammengestellt.

 

Die Mappe umfasst die eidesstattliche Erklärung, Werkstattnachweise, alle Entwurfsskizzen einschließlich einer Präsentationszeichnung und die dazugehörige Entwurfsbeschreibung sowie die komplette Vorkal-kulation mit Zeitangaben, allen Materiallisten, Eingangsrechnungen und das Angebot an den Kunden. Der Fertigungsablauf mit Zeittafel wird mit Bildern schrittweise dokumentiert. Präsentationsbilder mit allen detailgenauen Fertigungszeichnungen schließen die Mappe ab.

Die Situationsaufgabe dauert einen ganzen Tag. Es wird nach vorgegebener Zeichnung ein in sich fertiges Produkt hergestellt. Dies besteht immer aus Langholz- und Querholzdrehteilen.

Als Abschluss des ersten Teils der Meisterprüfung findet ein 30 minütiges Fachgespräch statt. Dies ist wie ein Verkaufsgespräch aufgebaut. So hat der Prüfling die Möglichkeit auf Feinheiten oder Besonderheiten seiner Projektarbeit hinzuweisen. Die Prüfungskommission stellt dann fachliche Fragen. Die drei Fächer im Teil 2 werden in je 120 Minütigen schriftlichen Klausuren geprüft.

Informationen zum nächsten Meisterkurs finden Sie auf dieser Webseite.

 

Eine kurze Beschreibung der Projektarbeiten 2015:

Präsentationsschrank für Tabakspfeifen von Felix Beiersdörfer aus Coburg.

 

Meister Beiersdörfer1

 

Dieses Schränkchen wurde aus Palisanderholz mit schwierigen Drehtechniken hervorragend ausgeführt: Es zeigt trommelgedrehte Schubladenvorderseiten, kantig gedrehte Rahmenteile und oval gedrehten Orna-mente. Unscheinbar und leicht wirken die beiden Türen mit perfekt gebogenen Acrylglasfüllungen. Nur wer Plexiglas schon mal gebogen hat, weiß die hier gezeigten Fertigkeiten wirklich zu schätzen. Das gesamte Innenleben, ein Rondell, ist drehbar, um allseitig alles gut zu erreichen. Für die Aufbewahrung des Tabaks wurden verschiedene Dosen gedreht, das Pfeifenzubehör findet in verschiedenen Schubladen seinen Platz. Alles wurde makellos und perfekt ausgeführt.

 

Meister Beiersdörfer2

 

Messebesprechungstisch von Pascal Wurster aus Reutlingen:

 

Meister Wurster 1

 

Eiche geräuchert, das ist das Material für den Besprechungstisch. Dieses Ensemble kann mit wenigen Hand-griffen unkompliziert komplett zerlegt werden und ist einfach wieder aufzubauen.

Bequem können vier Personen an den herausklappbaren Sitzgelegenheiten Platz nehmen. Keine Sorge: Ein stabiles Innenleben aus Metall sorgt für die ausreichenden Stabilität und Sicherheit.

Auf der gewellten Tischplatte stehen Trinkgläser sicher und wackeln nicht. Interessant ist das haptische Erlebnis der Hände auf der Platte. Die Finger haben immer etwas zu fühlen und zu spüren.

 

Meister Wurster 2

 

Ruhestuhl, Beistelltisch und Tabletts von Samuel Danke aus Aachen

 

Meister Danke 1

 

Die vier Möbelstücke bauen in Form und Gestaltung auf sein Gesellenstück auf und bilden im ganzen einen Produktfamilie.

Das helle, natürliche Leder wirkt im Kontrast zu dem dunklen, geölten Nussbaumholz nicht nur optisch, sondern auch haptisch sehr unterschiedlich. Hinzu kommt ein funkelndes, warmes Messing.

Die Möbel haben eine klare, reduzierte Gestalt.

Ein Stuhl, ist ein Gegenstand der wohl in unzähligen Möglichkeiten und Gestaltungsweisen geschaffen werden kann. Oft jedoch ist die Gestaltung an bestimmte Faktoren gebunden, die den Entwurf einengen, begrenzen oder in eine Richtung weisen.

Bei einem Stuhl sind diese Faktoren zum einen der Mensch, also der Nutzer. Das Möbel muss so gefertigt sein, dass der Benutzer es nutzen kann. Mit dem Faktor Mensch wird man in der Gestaltung auf ein bestimmtes Maß begrenzt, der Ruhestuhl folgt so gewissen Proportionsregeln die ein ganz bestimmtes Maß vorgeben, das menschliche Maß.

Die nächste Vorgabe ist die Funktion, auf einem Stuhl soll man sitzen. Dennoch gibt es unzählige Arten des Sitzens, da haben wir z.B. den Ruhestuhl, etwas gegeigt und bequem, den Sprossenstuhl, geradlinig und aufrecht oder gar den Klappstuhl zum Verstauen oder transportieren.

Allen diesen Faktoren musste ich mich beugen.

Dennoch hat mein Stuhl eine ganz eigene Gestalt, ich wollte ihn leben lassen. Er sollte zum Sitzen und Entspannen einladen, ein Buch zu lesen oder einzunicken. Er sollte reduziert sein, ohne „Schnickschnack“ das Wesentliche eines Stuhles verkörpern.

 

aschtisch „reduced“ von Philipp Schwarz aus Österreich

Bei seinem Entwurf handelt es sich um einen Waschtisch mit Spiegel und Rasierpinsel.

 

Meister Schwarz 1

 

Die Waschtischplatte wird aus dunklem, europäischem Nussbaum gefertigt. Sie liegt auf einem Untergestell aus Kupferrohr. Auf der Nussbaumplatte steht eine Waschschale aus Beton. Links und rechts neben der großen Waschschale liegen etwas versenkt zwei kleinere, runde Schälchen, welche ebenfalls aus Beton gegossen sind. In der einen kleinen Schale befindet sich Rasierseife und in der anderen ein Stück Seife für Hände und Gesicht. Ein aus Nussbaum gedrehter Spiegel hängt über dem Waschtisch und bietet Hilfe beim Rasieren und Waschen. Ein aus dem gleichen Holz gedrehter „Steh-auf Rasierpinsel“ gehört auch zur Ausstattung. Abgerundet wird das Ganze von einer kupferfarbenen Mischarmatur.

„reduced“

Nicht nur die Optik der Waschgelegenheit, sondern auch deren Funktion sind namengebend für dieses Projekt. Klare Linien und die Entscheidung für schnörkellose Materialien sorgen für ein aufgeräumtes Erscheinungsbild. Holz, Kupfer und Beton geben sich Kontraste, aber wirken in Kombination doch stimmig und nicht kühl. Bei diesem Entwurf wurde bewusst auf Stauraum für Cremes, Düfte und eitles „Allerlei“ verzichtet. Das Wesentliche tritt in den Vordergrund. Hier kann man(n) sich rasieren und waschen, nicht mehr und nicht weniger. Die Reduktion befreit Körper und Geist von allen unnötigen Masken. Im Spiegel: ---ICH--!

Kleine unscheinbare Details machen dieses Projekt anspruchsvoll. Die Vertiefungen, in denen die kleinen Betonschälchen liegen, werden ausgedreht. Dieser Arbeitsschritt verlangt viel Präzision und Vorsicht. Der Rasierpinsel ist innen ausgedreht und am unteren Ende wird flüssiges Zinn, eingegossen. Dadurch wird er zum „Stehaufmännchen“. So kann das Dachshaar, ohne sich durch Herumliegen zu verformen, in Ruhe trocknen. Die Gussformen verlangen maßgenaues Arbeiten. Doch wenn Sie einmal fertig sind, können sie noch für viele weitere Güsse verwendet werden.

 

 

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