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Meisterausbildung im Drechslerhandwerk

22. 07. 2021

Kaum ist die Gesellenprüfung geschafft, drängen gut ausgebildete junge Drechslergesellen zur Meisterausbildung. Die jungen, interessierten Drechsler wollen eine fundierte Ausbildung, Neues erfahren, mehr über Gestaltung hören und kommen so mit überzeugtem Selbstbewusstsein die Meisterausbildung. Natürlich wollen sie am Ende auch die Meisterprüfung bestehen.

 

Denn das Ziel ist, selbständig als Drechsler zu arbeiten oder einen gut laufenden bestehenden Betrieb zu übernehmen. Und das geht nur, so die jungen Meisteranwärter, mit einer soliden, umfangreichen Ausbildung.
Es ist empfehlenswert, nach der Gesellenausbildung jedoch zunächst mindestens 2 Jahre Gesellenerfahrung zu sammeln. Bestenfalls tut man dies in anderen Betrieben als dem eigenen Ausbildungsbetrieb. Nicht umsonst galt früher die Regel der bewährten Wanderjahre. Die Erfahrungen aus meiner eigenen Gesellenzeit, in der ich in unterschiedlichen Drechslereien gearbeitet habe, kommen mir heute noch zu Gute. Ich erinnere mich gerne zurück und möchte sie nicht missen. Ich würde es wieder so machen.

 

Der Nachfrage entsprechend, arbeiten viele Drechslereien rein technisch und sind für das Herstellen großer Stückzahlen ausgelegt. Die Kunden geben ihre Vorstellungen vor und die Herausforderung für uns Drechslerinnen und Drechsler besteht darin, diese Teile in rationeller Arbeitsweise, wiederholsicher in hoher Qualität zu produzieren. Dabei bleibt für Gestaltung leider oftmals nur wenig Raum. Jedoch auch für solche Serienartikel sind Kenntnisse über Gestaltung sehr wichtig. Denn damit können die Kunden zielgeführt beraten werden. Gerade bei neuen Produkten hat man doch einen gewissen Spielraum und es ergeben sich Möglichkeiten, über die Gestaltung auf die Produktion Einfluss zu nehmen und dabei dem Produkt einen Mehrwert mitzugeben, ohne dass der Arbeitsablauf aufwendiger wird – und seien es nur einfache Springseilgriffe.

 

Die Inhalte des Meisterkurses in Bad Kissingen legen den Schwerpunkt der Ausbildung auf die Grundlagen der Gestaltung. Hierbei werden die Themen Zeichnen, Entwurf, Proportionen,
Darstellungstechnik, Ideenfindung und Ideenweiterentwicklung, Formgebung, Produktgestaltung und Funktionalität intensiv und fächerübergreifend bearbeitet. Themen wie Typologie und die Funktionsfrage werden ebenso behandelt.

 

Der Unterricht findet als Präsenzveranstaltung und im Home Office statt. So ist es möglich, die Meisterausbildung berufsbegleitend umzusetzen. Für die Selbstlernphasen werden zahlreiche Übungsaufgaben verschickt, die dann zu Hause bearbeitet und zurückgeschickt und anschließend von den Ausbildern kontrolliert und kommentiert werden.

 

Das Freihandzeichnen ist eine Technik, die viel Arbeit am Modell und Musterdrehen ersparen kann. Wer gut perspektivisch Freihandzeichnen kann, kommt schneller ans Ziel. Es ist empfehlenswert, dies immer wieder zu üben. Auch für Kundenzeichnungen hat eine gelungene Präsentationszeichnung einen hohen Stellenwert.

 

Wer sich für die Meisterausbildung entscheidet, sollte solide Grundkenntnisse und routinierte Fertigkeiten an der Drehbank mitbringen. Ich weiß, das ist in der heutigen technischen Zeit, bei dem in vielen Drechslereien sehr automatisiert gedreht wird nicht mehr ganz so einfach. Dennoch sollte man sich nicht verleiten lassen, alles mit dem Automaten oder per CNC herzustellen.

 

Die Drechslerei, das Drehen an der Handdrehbank ist in dieser Hinsicht mit dem Spielen eines Musikinstruments zu vergleichen: Nur mit Üben, Üben und immer wieder Üben erlangt man genügend Routine. Bei der späteren Arbeitsprobe sollten Sicherheit und Souveränität bei allen Handgriffen vorhanden sein.

 

Das Drechslerhandwerk ist seit 2018 Immaterielles Kulturerbe und seit 2021 gibt es in unserem Beruf wieder die Meisterpflicht.
Dies sind zwei bedeutende Errungenschaften, die uns jedoch auch vor Augen führen, welche Ziele die Ausbildung verfolgen sollte:

 

a) Mitgliedschaft in der Innung. Die Drechslerinnung ist die fachliche Vertretung in der Öffentlichkeit und der Politik. Ohne Innung wäre diese Erfolge nicht möglich gewesen. Eine gute Innungsarbeit kann nur mit einem guten Team ausgeführt werden. Dieses Team sollte aus 3 Generationen bestehen: Den Jungen, die unbedarft verrückte Ideen im Kopf haben; der mittleren Generation, die mitten im Berufsleben steht und genügend Power hat diese neue Ideen umzusetzen; und drittens die Älteren, deren Erfahrungen auch bei der Umsetzung neuer Ideen unverzichtbar sind.

 

b) Ziel muss auch sein, dass genügend ausgebildet wird. Wie alle wissen, gibt es im Drechslerhandwerk viel zu wenig Auszubildende. Nicht ganz nachvollziehbar, da eigentlich genügend Arbeit vorhanden ist. Es wäre also schön, wenn auch die jungen neuen Meister bald der wiederum
nächsten Generation die Chance geben, unseren schönen Beruf von der Pike auf zu lernen und ausbilden. Wir brauchen dringen Nachwuchs, denn wir alle werden älter.
An dieser Stelle möchte ich allen Betrieben, die regelmäßig ausbilden ein herzliches Dankeschön aussprechen.

 

Und alle Betriebe, die noch nie einen Auszubildenden oder eine Auszubildende hatten, möchte ich an dieser Stelle ermutigen, doch einmal einen Ausbildungsplatz zur Verfügung zu stellen. Ganz sicher: es werden beide Seiten davon profitieren.

 

Ehre verpflichtet, daher bitte Auszubildende und Meisterschüler anmelden unter:
www.bs-kg.de

www.drechslerverband.de

 

Wolfgang Miller

Fachoberlehrer,

Prüfungsvorsitzender

Stellvertretender Bundesinnungsmeister

 

Bild zur Meldung: Wolfgang Miller

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Meisterausbildung im Drechslerhandwerk (22. 07. 2021)

Die Inhalte des Meisterkurses in Bad Kissingen legen den Schwerpunkt der Ausbildung auf die Grundlagen der Gestaltung. Hierbei werden die Themen Zeichnen, Entwurf, Proportionen, Darstellungstechnik, Ideenfindung und Ideenweiterentwicklung, Formgebung, Produktgestaltung und Funktionalität intensiv und fächerübergreifend bearbeitet. Themen wie Typologie und die Funktionsfrage werden ebenso behandelt.

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Wolfgang Miller