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Das Drechslerhandwerk als immaterielles Kulturerbe

01.05.2018
Erweiterung des Bayerischen Landesverzeichnisses des immateriellenKulturerbes - Kunstminister Dr. Ludwig Spaenle gibt zwölf Neuaufnahmen für das Jahr 2018 bekannt - vier Nominierungen aus Bayern für die Aufnahme in Bundesverzeichnis
 

MÜNCHEN. Vom Augsburger Friedensfest über die Berchtesgadener
Weihnachtsschützen bis zur Oberpfälzer Zoiglkultur: Insgesamt zwölf
lebendige Traditionen, Bräuche und Handwerkstechniken, die das  Leben und
die Gesellschaft überregional prägen, werden 2018 in das Bayerische
Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Das gab
Kunstminister Dr. Ludwig Spaenle heute nach der Ministerratssitzung in
München bekannt. "Mit ihrem Engagement und ihrem Enthusiasmus füllen die
Menschen Traditionen und Bräuche mit Leben, geben sie an nachfolgende
Generationen weiter und garantieren so den Erhalt unseres immateriellen
Kulturerbes. Die Neuaufnahmen in das Bayerische Landesverzeichnis spiegeln
dabei die vielfältige Bandbreite der immateriellen Schätze im Freistaat
wider", betonte der Minister.

 

Folgende neun Traditionen, Bräuche und Handwerkstechniken werden heute in
das Bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen:

- Agnes Bernauer Festspiele Straubing
- Augsburger Friedensfest
- Traditionelle Dörrobstherstellung und Baumfelderwirtschaft im Steigerwald
- Drechslerhandwerk
- Erhalt der Jurahäuser - traditionelle Baukultur im Altmühljura
- Bäuerliche Gemeinschaftswälder im Steigerwald
- Schafhaltung in Bayern
- Weihnachtsschützen im Berchtesgadener Land
- Oberpfälzer Zoiglkultur

Die Neuaufnahme der folgenden drei kulturellen Ausdrucksformen aus der
vorhergegangenen Bewerbungsrunde in das Landesverzeichnis wurde bereits
Anfang 2018 bekannt gegeben:

- Nürnberger Epitaphienkultur
- Fürther Michaeliskirchweih
- Wirken der Nürnberger Naturhistorischen Gesellschaft

 

"Gerade in Bayern genießen die Pflege und der Erhalt immaterieller kultureller Ausdrucksformen einen besonders hohen Stellenwert. Die Vielzahl an Bewerbungen um die Aufnahme in das Landes- und Bundesverzeichnis des
immateriellen Kulturerbes zeigt, wie stark die vielfältigen Bräuche, Rituale, Feste und sonstigen Ausdrucksformen im Bewusstsein der Bevölkerung verankert sind", so Minister Spaenle.

Für eine Aufnahme in das Bundesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes steht dem Freistaat Bayern ein reguläres Kontingent von vier Nominierungen
zu. Auf Anregung von Minister Spaenle hat der Ministerrat entschieden, die
folgenden vier Traditionen und Bräuche vorzuschlagen:

- Augsburger Friedensfest
- Weihnachtsschützen im Berchtesgadener Land
- Erhalt der Jurahäuser - traditionelle Baukultur im Altmühljura
- Bäuerliche Gemeinschaftswälder im Steigerwald

 

Die Verzeichnisse auf Bundes- und Landesebene sind Teil der Umsetzung des
UNESCO-Übereinkommens zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes, das 2013 in Deutschland in Kraft getreten ist. Fachexperten begleiten die
Entscheidungsprozesse auf Bundes- und auf Landesebene. Eine Eintragung in das bundesweite Verzeichnis ist zudem Voraussetzung für eine internationale
Nominierung.

Weitere Informationen zum Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes
finden Sie unter: www.km.bayern.de/kulturerbe

Zusätzliche Informationen zum Bewerbungsverfahren für das immaterielle
Kulturerbe finden sich im Internet auf den Seiten des Bayerischen
Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst
(www.ike.bayern.de) und der Deutschen UNESCO-Kommission (www.unesco.de). 

Die Beratungsstelle Immaterielles Kulturerbe Bayern ist zu erreichen unter:

Beratungsstelle Immaterielles Kulturerbe Bayern
Dr. Helmut Groschwitz
E-Mail: kulturerbe@volkskunde.badw.de
Telefon +49 (0)89 51556145

Andreas Ofenbeck, Sprecher, 089 2186-2108

 

Anhang

Kurzbeschreibungen der im Jahr 2018 neu aufgenommenen kulturellen
Ausdrucksformen:

 

Agnes Bernauer Festspiele in Straubing 

Der Agnes-Bernauer-Festspielverein in Straubing führt im Innenhof des
herzoglichen Schlosses im vierjährigen Turnus ein Freilichttheater auf, das
seit 1935 in verschiedenen Tableaus die in den lebensgeschichtlichen Details
legendäre, 1435 in Straubing hingerichtete Baderstochter Agnes Bernauer
darstellt. Bei der von rund 200 Laiendarstellern aus Stadt und Umland
getragenen Inszenierung, die eine wiederholte Neubearbeitung erfahren hat,
wird insbesondere bei der Ausstattung auf historische Detailtreue Wert
gelegt und trägt so zur Identifikation mit der Stadt- und bayerischen
Landesgeschichte bei.

 

Augsburger Friedensfest

Das Augsburger Friedensfest entstand im Jahre 1650 anlässlich der
Wiedererlangung der freien protestantischen Religionsausübung nach dem
Dreißigjährigen Krieg. Seit dem 20. Jahrhundert stellt das mittlerweile ganz
bewusst überkonfessionell und interreligiös ausgerichtete Fest mit
gegenwärtig über 60 Veranstaltungen die wechselseitige Achtung des Anderen
und die Friedenssicherung in den Mittelpunkt. Als Deutschlands einziger
städtischer gesetzlicher Feiertag (8. August) ist das Augsburger
Friedensfest das zentrale gesellschaftliche Festereignis.

Traditionelle Dörrobstherstellung und Baumfelderwirtschaft im Steigerwald 

Das traditionelle Dörren von Obst erfolgt im Steigerwald mittels
holzbefeuerter Öfen auf sogenannten Därren. Verbunden ist diese seit vielen
Generationen überlieferte handwerkliche Technik mit der
Baumfelderwirtschaft, bei der auch die Flächen unter den Obstbäumen  (Birne,
Apfel, Zwetschge, Kirsche) landwirtschaftlich genutzt werden. Die seit
Generationen bestehende Herstellung von Dörrobst und Baumfelderwirtschaft
verbindet ein Wissen im Umgang mit der Natur mit tradierten Fähigkeiten der
Lebensmittelkonservierung.

 

Drechslerhandwerk 

Die Handwerkstradition des Drechselns ist eine sehr alte Form der
mechanischen Bearbeitung von Werkstoffen. Heute wird das Handwerk neben
meist kleinen Betrieben, die sich auf Einzelstücke oder Kunsthandwerk
spezialisiert haben, als Hobby oder künstlerisch motiviert betrieben. Mit
der Berufsschule in Bad Kissingen (einer von zwei verbliebenen in ganz
Deutschland) und der Stadt Fürth als Sitz des Drechslerfachverbandes ist
Bayern ein wichtiges Zentrum im Hinblick auf die Weitervermittlung der
handwerklich-tradierten Fähigkeiten und Techniken.

 

Fürther Michaeliskirchweih - Beispiel für die Tradition der Stadtkirchweihen
in Franken 

Die Fürther Michaeliskirchweih zählt zu den größten Stadtkirchweihen in
Bayern. Mit ihren Elementen des überkonfessionellen Kirchweihgottesdienstes,
dem Kirchweihmarkt, der Wirtshauskerwa, dem Unterhaltungsbereich und dem in
den Medien übertragenen Erntedankumzug steht sie mit einer großen
historischen Tiefe stellvertretend für Kirchweihfeste in den Städten Frankens. Die Tradition der bäuerlichen Gemeinschaftswälder im Steigerwald 

Im Steigerwald findet man seit Jahrhunderten gemeinschaftlich bewirtschaftete sogenannte "Stockausschlagwälder". Laubbäume werden dabei - vor allem zur Gewinnung von Brennholz - im Abstand von einigen Jahrzehnten auf den Stock gesetzt (abgeschlagen). Die Bewirtschaftung der rund 100 bäuerlichen Gemeinschaftswälder mit etwa 2.600 Waldrechtlern erfolgt auf Basis eines breiten Spektrums an genossenschaftlichen Rechtsformen mit zum Teil Jahrhunderte alten überlieferten Praktiken der Vermessung, des Einschlagens sowie Regelungen zur Verteilung des Holzes.

 

Nürnberger Epitaphienkultur

Die reich gestalteten metallenen Relieftafeln auf den liegenden Grabsteinen
der Nürnberger Friedhöfe St. Johannis und St. Rochus machen diese zu einem
wichtigen Erinnerungsort und geben Zeugnis über die bis ins 16. Jahrhundert
zurückreichende Nürnberger Epitaphienkultur. Die historischen Neuschöpfungen
und Neuinterpretationen stellen eine moderne Form der Trauerarbeit dar.

 

Oberpfälzer Zoiglkultur

Charakteristisch für die Oberpfälzer Zoiglkultur ist das gemeinschaftliche
Brauen im lokalen Kommunbrauhaus sowie der von intensiver Kommunikation
begleitete Ausschank und Konsum des handwerklich gebrauten Bieres bei
(Laien)Wirten. Die traditionell geringen Produktionschargen bedingen einen
nur temporären Ausschank in wechselnden Lokalitäten. In der Oberpfalz lassen
sich Belege für das Kommunbrauwesen und die Zoiglkultur bis in das Jahr 1415
(Neuhaus) zurückverfolgen.

 

Schafhaltung in Bayern 

Als traditionelle Form der Tierhaltung hat die Schäferei gerade auch in
Bayern seit Jahrhunderten eine prägende Wirkung auf verschiedene
Kulturlandschaften (Wacholderheiden, Trocken- und Magerrasen) mit
gegenwärtigen Schwerpunkten in Franken und Schwaben. Heutzutage im
"Landesverband Bayerischer Schafhalter" mit seinen rund 1.500 Schafhaltern
organisiert, lassen sich die Schäfervereinigungen auf die seit dem 15.
Jahrhundert belegbaren Schäferzünfte zurückführen. Für den sozialen
Zusammenhalt von zentraler Bedeutung sind vielfältige tradierte Brauch- und
Festformen wie Schäferläufe, Hütewettbewerbe oder Schäfertänze.

 

Die Weihnachtsschützen im Berchtesgadener Land 

Die 17 Mitgliedsvereine umfassenden "Vereinigten Weihnachtsschützen des
Berchtesgadener Landes e.V." mit über 3.300 Mitgliedern üben den Brauch des
Böllerschießens mit ihren Hand- und Schaftböllern aus. Dabei verstärkt der
Widerhall im Berchtesgadener Talkessel die akustische Wirkung auf besonders
eindrucksvolle Weise. Seit 1666 belegt, findet das Böllerschießen anlässlich
hoher christlicher Festtage und aus besonderen Anlässen wie Hochzeiten oder
regionalen Festen statt.

 

Wirken der Nürnberger Naturhistorischen Gesellschaft - Beispiel für die
Tradierung von Wissen um die Natur und das Universum 

Die Nürnberger Naturhistorische Gesellschaft vereinigt einen aufklärerischen
Vermittlungsimpetus mit einer breitenwirksamen, auf ehrenamtlicher Basis
gründenden Vermittlungsarbeit. Neben der Tradierung historischer Sammlungen
stehen eigene Schwerpunkte im Sinne einer "Citizenscience" im Mittelpunkt,
womit die Aktivitäten an der Schnittstelle von akademischer Wissenschaft und
bürgerlicher Wissensgenerierung stehen.

 

Erhalt der Jurahäuser - traditionelle Baukultur im Altmühljura
(Jurahausverein) (Aufnahme in Register Guter Praxisbeispiele)

Der Erhalt der traditionellen Baukultur von Jurahäusern im Altmühltal, von
denen sich noch etwa 3.000 erhalten haben, stellt vor allem handwerklich
eine große Herausforderung dar. Die historischen Jurahäuser sind geprägt
durch eine Dachdeckung aus dünnen, nur an einer Kante gerade gehauenen
Jurakalksteinplatten und einen schlichten kubischen Baukörper. Der 1984
gegründete Jurahausverein e.V. mit ca. 800 Mitgliedern hat es sich zur
Aufgabe gemacht, durch das in Eichstätt gegründete Museum "Das Jurahaus" und
eine Vielzahl von Aktivitäten wie Vorträge, Führungen, Workshops und
Publikationen die Erhaltung der regionalen Baukultur zu sichern.

 

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Bayerisches Staatsministerium
für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst   
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